Fitness-Booster im Check: Sinnvoll oder eher gefährlich?

Fitness-Booster im Check
Was steckt im Fitness-Booster-Pulver? Und sind solche Workout-Wundermittel wirklich sinnvoll? Foto: Unsplash/Canva

Sie haben oft martialische Namen und stecken in Dosen mit brennenden Totenköpfen oder muskulösen Monstern auf dem Emblem - dabei sollen Pre-Workout-Booster doch einfach nur einen Energieschub für das nächste Training bringen. Einen seriösen Eindruck machen Power-Pulver oft nicht unbedingt. Auch deshalb befürchten viele, dass Doping-Substanzen untergemischt sind. Was Experten von Fitness-Boostern halten, welcher Stoff auf der Zutatenliste ihnen die größten Sorgen macht und welche günstigen Alternativen es gibt, habe ich hier zusammengefasst.

Autor: Sebastian Priggemeier

Was bringt der Power-Kick aus der Dose?

Der Alltag ist anstrengend, das Aufraffen zum Fitness-Training fällt oft schwer: Kein Wunder also, dass einige auf den schnellen Power-Kick aus der Dose setzen, um beim Training Leistung bringen zu können. Aber wie sinnvoll ist das für Freizeitsportler? Pre-Workout-Booster sind nicht gerade günstig: Eine 300-Gramm-Dose ist im Internet ab 20 bis 30 Euro erhältlich - hochgerechnet entspricht das einem Preis von 60 bis 100 Euro pro Kilogramm Pulver. Aber für was?

 

Die Inhaltsangabe der Booster liest sich wie eine Doktorarbeit in Chemie: L-Arginin-Alpha-Ketoglutarat, Beta-Alanin, N-Acetyl-L-Tyrosin, Xylit... Ein normaler Verbraucher steigt da nicht durch. Gut, dass es Experten gibt, die sich die Produkte genauer anschauen.

 

Das ZDF-Magazin WISO hat in Kooperation mit Wissenschaftlern der Deutschen Sporthochschule in Köln Pre-Workout-Booster gecheckt. Besonders auffällig - und aus Sicht der Wissenschaftler problematisch - war dabei ein Stoff, der für viele von uns zum Alltag gehört:
>> Koffein.

 

"Es sind Mengen bis 400 Milligramm pro Portionseinheit angegeben", stellte Ernährungswissenschaftler Hans Braun fest. Zum Vergleich: Ein Espresso enthält durchschnittlich etwa 30 Milligramm Koffein. Die hohen Koffein-Mengen in Workout-Boostern werden auch von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als sehr kritisch eingestuft, so Braun.

 

Mögliche Folgen des Koffein-Kicks: Gefäßverengungen, eine erhöhte Herzfrequenz, Bluthochdruck - für Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen kann das gefährlich werden. Verboten ist die hohe Dosierung von Koffein nicht. Allerdings stand Koffein aufgrund seiner leistungssteigernden Wirkung bis 2004 auf der Doping-Liste der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA.

Verbraucherschutz warnt vor bestimmten Substanzen in Pre-Workout-Boostern

Fakt ist: Power-Pulver steigern unsere körperliche und mentale Leistungsfähigkeit, aber unbedenklich oder gar gesund sind sie deswegen nicht. Die Verbraucherzentrale hat im April 2021 eine Warnung vor bestimmten Workout-Booster-Bestandteilen veröffentlicht:

  • DMAA (Dimethylamylamin) - oft auch als "Geranienextrakt" oder Methylhexanamin bezeichnet. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist der Stoff "besonders gefährlich".
  • DMBA (1,3-Dimethylbutylamin) - eine synthetische Substanz, die vor allem in AMP-Citrat-Produkten eingesetzt wird und nie an Menschen getestet wurde. 
  • DMHA (Dimethylhexylamine/Octadrin) - ein Nachfolger des verbotenen DMBA.
  • DNP (Dinitrophenol) - ein Fatburner, der in Internetshops für Bodybuilder angeboten wird.

Es handelt sich um Substanzen, die auf der WADA-Dopingliste stehen und verboten sind - zumindest im Wettkampfsport. Illegal ist auch der Verkauf der Substanzen, trotzdem sind sie im Internet zum Teil erhältlich, weil Labore im Ausland sie in Arzneimittel-ähnlichen Produkten unterbringen. Vorsicht ist demnach geboten, und ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe ist absolut sinnvoll.

Fazit und Supermarkt-Alternativen zu Fitness-Boostern

Lohnt es sich also, das gesundheitliche Risiko einzugehen, um beim Training ein Paar Prozentpunkte mehr Leistung zu bringen und eventuell mehr Fett zu verbrennen? Aus meiner Sicht als Sportwissenschaftler lautet die Antwort: Nein. Der Push durchs Pulver ist nicht nur wegen potenziell gefährlicher Inhaltsstoffe problematisch - wir überhören dadurch auch schnell die Signale unseres Körpers. Und die sind wichtig, denn:

  • A) Ein Motivations- und Leistungs-Loch kann ein Zeichen für Übertraining sein. In diesen Zustand geraten wir, wenn wir zu viel Sport treiben und zu wenig regenerieren. Pausen sind wichtig, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. 
  • B) Wenn die Kniebeuge mit 100 Kilogramm Zusatzgewicht einfach nicht gelingen will, dann ist der Körper vielleicht noch nicht reif dafür. Auch der Aufbau von Muskelmasse braucht Zeit und Leistungsgrenzen durch Booster zu verwischen, ist auf Dauer kontraproduktiv, weil dadurch das Risiko von Muskel- und Sehnenverletzungen steigt.

Freizeitsportler sollten ihre Gesundheit nicht durch dubiose Nahrungsergänzungsmittel aufs Spiel setzen - auch weil es Alternativen gibt, bei denen das Gesundheitsrisiko deutlich geringer ist.

 

>> Wenn bei mir in Sachen Kraft und Motivation mal wenig geht, gebe ich mir durch Traubenzucker/Dextrose in Form von Dextro Energy, eine Banane und einen Espresso einen Schubs. Diese Kombination von Kohlenhydraten, Mineralien und Koffein ist vergleichsweise günstig und auch unterwegs überall gut zu bekommen.

  • Wichtig ist, den Snack am besten 20 bis 30 Minuten vor dem Workout einzunehmen.
  • Wenn nur eine kurze Trainingseinheit ansteht (30 bis 45 Minuten), reicht einer der beiden Kohlenhydrat-Bestandteile völlig aus - also Banane ODER Traubenzucker. Sonst kippt die Kalorienbilanz.
  • Die letzte Mahlzeit sollte zwei Stunden zurückliegen, damit Traubenzucker und Koffein gut verstoffwechselt werden können.

Traubenzucker ist eine Zuckervariante, die Muskeln und Gehirn einen schnellen, aber nur kurzfristigen Energieschub gibt. Übertreiben sollte man es damit auch nicht, denn Traubenzucker treibt den Blutzuckerspiegel sehr schnell hoch, er fällt aber sehr schnell wieder ab. Passiert das regelmäßig, leidet langfristig Experten zufolge die Bauchspeicheldrüse, wodurch das Diabetes-Risiko steigen kann. 

 

Damit ich mich nicht an den Zucker- und Koffein-Kick gewöhne, verzichte ich an Trainings-Tagen mit normaler bis hoher Motivation bewusst darauf. Denn es geht durchaus auch ohne.