Der Deal mit mir selbst

Sebastian Priggemeier und Tochter Lene
Meine Tochter Lene und ich - inzwischen ein eingespieltes Team.

Ein Mann, ein Plan - ein Wecker. Und so viele warme, weiche Kissen... 5.45 Uhr, das Smartphone vibriert auf meinem Nachttisch. Aus damit und raus. Espresso und Express-Workout, das war der Plan. Der Deal mit mir selbst, um meinen Körper wieder auf Linie zu bringen. Seit ich Papa bin, kommt der Sport etwas zu kurz. Drei Jahre Fettverbrennung auf Sparflamme. Klar, dass der Bauch da wächst und wächst. Dadbod nennen die Amerikaner das. Ein weltweites Papa-Problem. Mein Problem. Aber das soll sich ändern.

Autor: Sebastian Priggemeier

 

Aber ich will nicht meckern, ich will dagegen angehen. Ich will trainieren - kurz und knackig, so oft es eben geht. Jetzt zum Beispiel: 20 Minuten Bodyweight-Workout am frühen Morgen. Ganz leise! Meine kleine Family schläft, ich schwitze. Zumindest fast. Kniebeuge, Kniebeuge. Dann knarzt eine Tür. Nackte Mini-Füße tapsen über das Parkett, plitsch, platsch. Und da steht sie, reibt sich die Augen: Meine Tochter Lene (3). "Papa, was machst du?" 5.55 Uhr, Training beendet. Dadbod-Dilemma perfekt.      

 

Klar, ich könnte jetzt weitermachen, positiv denken, das Ganze als Chance nutzen - die Kleine in mein Training einbauen, quasi als lebendige Kettlebell. 14 Kilogramm Kind, ist doch optimal für Kniebeugen! Nein, ist es nicht. Habe ich alles schon versucht. Das klappt nur in Workout-Büchern, die kinderlose Typen schreiben. Und was ist, wenn sich die Kleine beim Liegestütz auf deinen Rücken legt - wie eine Gewichtsweste? Funktioniert! Genau für drei Wiederholungen. Dann möchte sie etwas Anderes machen. So wie jetzt. "Papa, du sollst mit mir spielen!" Klar, um 6 Uhr morgens. Aber hey, ich verstehe das, sie ist jetzt voller Power. Frühaufsteherin - eine typische Lerche, genau wie ich.   

Ich habe akzeptiert, dass mein Leben jetzt anders ist

Kurz nach Sonnenaufgang, das ist meine Zeit. Beziehungsweise: Das war meine Zeit. Als Vater bist du nicht mehr der Herr über deine Zeit, sondern dein Kind. Du bist fremdgesteuert - morgens, mittags, sogar nachts. Klingt hart, ist aber so. Zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht. Immer und immer wieder. Und das war eine Erkenntnis, die mir richtig weh getan hat. Kontrollverlust. In den ersten zwei Jahren als Vater war das ganz extrem, inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Ich habe akzeptiert, dass mein Leben jetzt anders ist. Nach Feierabend im Vollzeit-Job spontan eine Runde ins Fitnessstudio? Geht nicht, das kannst du deiner Frau nicht antun. Die muss sich schließlich in der Zeit alleine um das Kind kümmern.

 

Aber muss ich mich nicht auch um meine Gesundheit kümmern, damit ich mich wiederum gut um das Kind kümmern kann? Auf jeden Fall. Das ist Fakt. Aber was ist die Lösung? Akzeptieren, dass in Sachen Fitness auf Jahre nichts mehr geht und in Ruhe einen ordentlichen Dadbod aufbauen oder kreativ werden und das Leben wieder selbst in die Hand nehmen? Für mich war die Antwort schnell klar: Ich hole mir meinen Körper zurück - mit einem Rückbildungskurs für Kerle.

Väter müssen flexibel sein ohne Ende

Die Basis: Fitness-Nischen im Alltag und kleine Dad-Challenges – 100 Liegestütze pro Tag durchziehen. Das geht gut zwischendurch und ergibt 700 Liegestütze pro Woche, knapp 3.000 pro Monat. Und ganz wichtig: Slow Sport. Spazierengehen statt Jogging. So kann ich das Baby im Kinderwagen schieben, damit die Frau zuhause entlasten, Podcasts hören (Mark Maslow zum Beispiel), frische Luft atmen und gleichzeitig Kalorien verbrennen. Herrlich! Unter der Woche versuche ich so oft wie möglich, zu Fuß zur Arbeit zu gehen. Das ist immerhin eine Strecke von 5 Kilometern. Ins Fitnessstudio gehe ich am Wochenende ab 5.30 Uhr, wenn zuhause alle schlafen und ich nicht fehle. Weiterer Vorteil für die Familie: Papa bringt danach frische Brötchen mit! Ansonsten setze ich beim Krafttraining auf Mini-Workouts mit Maxi-Effekt, wie den NXT-LVL-Plan von Nico Airone. 20 Minuten Power. Wenn es damit morgens nicht klappt, dann eben in der Mittagspause oder abends, wenn die Lütte schläft.

 

Mein Fazit der letzten Jahre: Väter müssen flexibel sein ohne Ende. Ok, das ist anstrengend, aber es ist auch eine riesige Chance. Nicht nur das Kind wächst, auch du selbst. Achte darauf! Bei jedem meiner inneren Fights stand am Ende eine Erkenntnis: Kinder sind keine Bremsen, sondern die besten Personal Trainer der Welt. Sie bringen dir bei, wie du das Beste aus deiner Zeit machst. Das ist eine unbezahlbare Erfahrung. Und besser als jeder Muskelkater, der mir in den letzten Jahren entgangen ist. Danke, meine kleine Frühaufsteherin. Und jetzt: Ran an den Dadbod!   

Krafttraining in der Schwangerschaft: Was ist erlaubt?

Frau beim Krafttraining
Was ist in der Schwangerschaft in Sachen Krafttraining möglich und sinnvoll? Experten haben eine klare Meinung dazu. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick. Foto: Unsplash

Sollten Schwangere weiter ins Fitnessstudio gehen oder ist Krafttraining während der Schwangerschaft tabu? Sportwissenschaftler und Mediziner sind sich einig, dass leichtes bis moderates Krafttraining sinnvoll ist und sogar Vorteile bringt. Inwiefern Schwangere von Übungen mit Hanteln oder dem eigenen Körpergewicht profitieren, was beim Workout in der Schwangerschaft zu beachten ist und welche Übungen ok sind (zum Beispiel beim Bauchmuskeltraining)? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema findet ihr hier.  

Autor: Sebastian Priggemeier

Die Fitness-Formel für Schwangere: leichtere Gewichte, mehr Wiederholungen

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Joggen in der Schwangerschaft: Was geht und was geht nicht?

Frau beim Jogging
Jogging während und nach der Schwangerschaft? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema findet ihr hier. Foto: Unsplash

Sich während der Schwangerschaft fit zu halten, gilt unter Experten als sinnvoll. Aber ist Jogging die richtige Sportart für Schwangere? Hier findet ihr die wichtigsten Informationen rund ums Laufen im ersten Trimester und danach:

  • Für wen ist joggen in der Schwangerschaft ok und bis wann?
  • Was ist beim Laufen mit Baby im Bauch erlaubt?
  • Wie oft in der Woche, in welchem Pulsbereich?
  • Und was bringt Sport werdenden Müttern überhaupt?

Das sind Fragen, die viele Frauen beschäftigen. Kein Wunder, schließlich wollen alle gesund durch die Schwangerschaft kommen. Hier gibt es übrigens auch die wichtigsten Infos zum Thema Krafttraining in der Schwangerschaft.

Autor: Sebastian Priggemeier

Ok, der Schwangerschaftstest war positiv. Bedeutet das jetzt, dass die Laufschuhe neun Monate Pause haben? Oder sogar noch länger - denn was ist nach der Schwangerschaft körperlich erlaubt? Die Experten der Deutschen Sporthochschule Köln (und viele andere) haben dazu eine klare Meinung: "Ausdauertraining ist während der Schwangerschaft sehr empfehlenswert", heißt es auf dem Service-Portal "Sport und Schwangerschaft". Bewegung hat positive Effekte auf Herz und Lunge und somit auf die Sauerstoffversorgung von Mutter und Kind. Was das Joggen angeht, sind die Forscherinnen Marion Sulprizio und Dr. Claudia Velde allerdings etwas vorsichtiger: "Geübte Läuferinnen" können zwar weiter joggen gehen, wenn es von ärztlicher Seite keine Bedenken gibt - als Schwangere mit dem Joggen anzufangen, sei aber keine gute Idee. Die körperliche Belastung sei für Untrainierte einfach zu hoch. Trainierte können in lockerem Tempo laufen. Aber übertreiben sollten sie es nicht, denn Laktat im Blut kann dem Baby im Bauch schaden.

  

>> Empfohlene Herzfrequenz beim Joggen: höchstens 135 bis 140 Schläge pro Minute 
(60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz - sprich: Laufen ohne Schnaufen)

 

Ein weiterer Risikofaktor: Beim Laufen kommt es zu vielen Erschütterungen, deshalb gehört Jogging zu den sogenannten "High-Impact-Sportarten", die Studien zufolge in der Frühschwangerschaft ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko mit sich bringen.  

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Google Fit im Test: Reine Schrittzähler-App oder mehr?

Google Fit App Screenshot
Die App Google Fit zeichnet Alltags-Aktivitäten der User auf und vergibt dafür Punkte. Screenshot: Priggemeier

Auch Google hat einen kostenlosen Fitnesstracker - die App heißt "Google Fit" und verspricht seinen Usern nicht weniger als ein "gesünderes Leben" durch Aktivititäts-Aufzeichnung. Ich habe mir die App heruntergeladen, um sie zu testen. Besonders gespannt war und bin ich auf die Funktionen abseits der reinen Schrittzählung. Lässt sich Google Fit wohl auch als Fitnesstagebuch nutzen oder zählt das Programm nur meine gelaufenen Kilometer, wie viele andere Tracking-Apps auch?

Autor: Sebastian Priggemeier

Wie gut funktioniert Google Fit im Alltag?

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