Mit Baby ist plötzlich alles anders

Mit Baby hat man kaum noch Zeit für Sport.
Nicht vergessen: Ein Kind zu tragen, ist auch Sport. Foto: Steven Van Loy/Unsplash

Seit Oktober 2014 bin ich jetzt Vater einer süßen Tochter. Wow, war das ein Erlebnis: Plötzlich Papa. Familienvater. Alles anders, alles neu. Wir hatten auf einmal eine kleine Mitbewohnerin in unserer 63-Quadratmeter-Bude. Und die hielt uns ganz schön auf Trab. Tag und Nacht. Früh und spät. Zeit für mich selbst? Gab es plötzlich kaum noch. Mal in Ruhe eine Zeitschrift lesen oder Sport treiben? Klappte irgendwie nicht. Ich weiß noch genau, dass ich eines Abends eine WhatsApp-Nachricht an meine besten Kumpels (ebenfalls junge Väter) schickte: "Jungs, wie schafft ihr es, mal ein bisschen Zeit für euch selbst zu bekommen?" Es kam nie eine Antwort. Wahrscheinlich, weil sie es selbst nicht wussten.

 

Die ersten zwei Jahre mit Kind waren für mich persönlich eine richtig harte Zeit. Nicht nur wegen des Schlafmangels und der komplett neuen Aufgaben. Mir machte am meisten zu schaffen, dass mein Tagesablauf komplett fremdbestimmt war. Ich hatte einfach keine Kontrolle mehr über meine Zeit. Als ich noch kein Kind hatte, bin ich zwischendurch einfach mal spontan für eine Stündchen mit einem Freund joggen gegangen. Als Vater hatte ich schon bei dem Gedanken daran ein schlechtes Gewissen meiner Frau gegenüber. Schließlich hätte sie dann alleine auf das Kind aufpassen müssen. Dabei war sie durch das ständige Stillen ohnehin schon extrem belastet.

 

Mein Baby bestimmte, was möglich war und was nicht. Ich steckte in der Familien-Zwickmühle. Was ich auch tat oder plante, irgendjemand würde immer darunter leiden. Das war zumindest mein Eindruck. Und manchmal denke ich heute noch so - zwischendurch, wenn der Frust auf einmal hochkommt. Dabei weiß ich inzwischen, dass das der absolute falsche Gedanke ist. Ein ganz fieser Denkfehler, der den Frust noch steigert. Das Kind ist ein Geschenk. Es hat mein Leben für immer verändert und alles auf den Kopf gestellt. Meine Frau (danke, Tini!) hat mir in langen Gesprächen klargemacht, dass gegen meinen Eltern-Frust nur eine Änderung meiner Einstellung hilft. Das Zauberwort lautet: Akzeptanz. Es ist, wie es ist und ich nehme die neue Situation als Herausforderung. Viele persönliche Ziele müssen eben einfach warten. Aber das Wichtigste, was ich bisher als Vater gelernt habe, ist Folgendes: Alles hat seine Zeit.  

Alles hat seine Zeit - auch das Workout

Mit diesem Blog möchte ich zeigen, wie Eltern zwischendurch Zeit für Sport und für sich selbst finden. Es geht! Und zwar mit ein paar Tricks (die ich auch von anderen fitten Eltern einholen und hier veröffentlichen werde - schickt mir gerne auch eure Tricks und kommentiert hier). Ich kann euch nur raten, nehmt euch die Zeit. Tut etwas für euch selbst, geht raus, trefft Leute und bewegt euch.

 

Aber ist das nicht total egoistisch? Nein, absolut nicht. Wer regelmäßig Sport treibt und sich in seinem Körper wohl fühlt, strahlt genau das auch aus. Zufriedene Eltern sind bessere Eltern, da bin ich mir sicher. Ein weiterer - ganz wichtiger - Aspekt: Durch Bewegung baut ihr Stress und aufgestaute Aggressionen ab. Nicht zu vernachlässigen ist auch die körperliche Belastung, der Eltern ausgesetzt sind. Kind tragen, Kind heben, Kind wieder absetzen. Das geht auf den Rücken und verursacht langfristig Schmerzen, wenn der Bewegungsapparat überlastet ist. Regelmäßiges Training hilft. Und es lässt sich auch Zuhause durchziehen. 

 

Hier kommen meine wichtigsten Tricks, um Sport und Bewegung im Alltag unterzubringen (das ist wirklich nur ein kurzer Überblick, auf anderen Seiten gehe ich in die Tiefe):

  • Früh aufstehen. Oft stelle ich mir den Wecker auf 5 Uhr morgens, denn dann schlafen sowohl meine Frau als auch das Kind noch. Ich bin Gott sei Dank Frühaufsteher und schon voller Energie, wenn andere sich noch einmal umdrehen. Die Power nutze ich oft für ein Mini-Workout (15 Minuten reichen): 10 Liegestütze, 20 Kniebeugen, 60 Sekunden Plank - 5 Durchgänge ohne Pausen. 
  • Zur Arbeit laufen. Mein Arbeitsplatz ist ungefähr 5 Kilometer von unserer Wohnung entfernt. So oft es geht, laufe ich die Strecke zu Fuß. Warum? Für mich ist das perfekt, denn ich bekomme Bewegung und fehle gleichzeitig nicht Zuhause. Denn die Zeit für den Weg zur Arbeit muss ich sowieso einplanen. Mit der U-Bahn brauche ich knapp über 30 Minuten, zu Fuß 45 Minuten. Das fällt kaum ins Gewicht - und meine Family merkt gar nicht, dass ich quasi beim Sport war. Weiterer Vorteil: Beim Spaziergang kann ich super über Probleme nachdenken oder Dinge planen. Außerdem bekomme ich frische Luft und Sonnenlicht ab. 
  • Den Partner einspannen. Wir bringen abends abwechselnd das Kind ins Bett. An einem Tag ist meine Frau dran, am nächsten Tag ist. So hat jeder zumindest abends mal ein paar freie Stunden (manchmal zieht sich das zu-Bett-Bringen echt). An freien Abenden gehe ich oft ins Fitnessstudio (30 bis 45 Minuten Training mit Hanteln oder Maschinen). Wenn ich zurückkomme, ist noch genügend Zeit für die Partnerin - und ich habe ein gutes Gefühl, weil ich mich bewegt habe. Der aufgebaute Stress verfliegt so ganz schnell und der nächste Tag kann ruhig kommen. Wichtig ist für mich allerdings, dass das Studio direkt um die Ecke ist (10 Minuten Fußweg), sonst fällt es auch mir schwer, mich noch aufzuraffen. Als Alternative käme dann höchstens ein Homeworkout infrage.

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