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Zeit für mich? Gönne ich mir

Mehr Zeit für mich - me-Time
Auch Eltern brauchen Zeit für sich. Foto: Hunter Johnson/Unsplash.com

Mehr Me-Time - ist das eigentlich egoistisch?

Papa zieht sich für einen Augenblick aus dem Family-Alltag - und schon meldet sich das schlechte Gewissen. Darf ich das? Und wenn ja: wie lange? Schiebe ich damit nicht alle To-Dos auf meine Frau? Warum brauche ich immer wieder Freiraum? Stopp, Notbremse am Gedankenkarussell ziehen! Ich finde: Me-Time ist extrem wichtig - wir Eltern sollten uns regelmäßig mehr davon gönnen.

Jeder Mensch braucht Zeit für sich selbst, auch Mama oder Papa. Eine Auszeit vom Alltag. Durchatmen. Mal abschalten - und eventuell auch rauskommen. Einen Abend mit (kinderlosen) Freunden verbringen. Einen über den Durst trinken. Mal die Festplatte löschen. Klar, das Ganze muss sozialverträglich sein. Es geschieht am besten in Absprache mit dem Partner, und am kommenden Tag sollte man auch halbwegs schnell wieder einsatzbereit sein, finde ich (einen ausgewachsenen Alkohol-Kater braucht doch eh niemand).

 

Ich hatte mal eine Kollegin, die mich mit ihrer Geschichte total aus den Socken gehauen hat. Sie erzählte mir in einem Moment davon, als ich mit meiner Rolle als Jungvater ziemlich überfordert war. Das kam in den ersten Lebensmonaten meiner Tochter regelmäßig vor, und manchmal auch jetzt noch, das gebe ich zu. Wer kennt diese Momente nicht? Die Kollegin jedenfalls erzählte Folgendes: Als ihr erstes Kind geboren war, bekam sie zuhause regelmäßig einen Lagerkoller und brach einfach aus. Sie drückte ihrem Mann das Baby in die Hand, packte einen Rucksack und reiste vier Wochen durch Russland. Alleine.

Einfach mal ausbrechen?

Wow, dachte ich. Und: Puuuh, ob ich das als Partner mitgemacht hätte? Wahrscheinlich nur einmal. Natürlich bietet diese Entscheidung extrem viel Fläche für Kritik - aber der Mut der Kollegin ebenso. Das denke ich heute zumindest. Damals war ich einfach nur geschockt. 

 

Meine Timeouts dauern meistens nur eine Stunde. Kurz den Akku laden, eine Runde joggen. Das ist ein Ausbruch im Zeitraffertempo. Sozialverträglich. Mir reicht das. Und ich brauche das. Es gibt mir Power. Wir sollten uns das einfach gönnen. Schließlich haben wir unserem Kind ein Leben geschenkt, unser eigenes Leben aber nicht verschenkt. Meine Meinung. Und jetzt gehe ich raus, laufen. Es ist 6.46 Uhr und meine Mädels schlafen noch. So merken sie gar nicht, dass ich weg bin. Für viel mehr reicht mein Mut nicht. Ich brauche aber auch nicht mehr. Denn wenn ich nach dem Lauf wieder durch die Tür komme, bin ich der glücklichste Mensch der Welt, weil ich die beiden zurückhabe.   

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