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Waldbaden: Outdoor-Wellness für die Seele

Waldbaden heißt in Japan Shinrin Yoku
Einfach im Grünen die Seele baumeln lassen - beim Waldbaden. Foto: Teddy Kelley/Unsplash

Ab in den Wald! Shinrin-Yoku-Time

Manchmal, wenn unsere Tochter mal wieder fast vor Energie platzt oder uns Zuhause die Decke auf den Kopf fällt, dann ziehen wir uns einfach die Gummistiefel an und machen einen Ausflug in den Wald. In der Nähe von Köln gibt es einige schöne Waldgebiete, das Bergische Land zum Beispiel oder die Eifel. Kühle Luft, entspannendes Grün, Bewegung - das ist das Beste bei Lagerkoller. Und bei Stress. Und bei Sinnkrisen aller Art. Rausgehen, durch den Wald stapfen, tief einatmen. 'Shinrin Yoku' nennen das die Japaner - Waldbaden. Klingt nach Wellness. Genau das Richtige für gestresste Eltern und Kinder.

Die Kraft des 'Biophilia-Effekts'

Ein Spaziergang im Wald gut tut - das weiß jeder. Mediziner der Nippon Medical School in Tokio untersuchen schon länger, was hinter diesem Effekt steckt. 'Waldmedizin' ist in Japan eine eigene medizinische Fachrichtung. Eine Erkenntnis der Forscher: Die Pflanzen des Waldes aktivieren unser Immunsystem. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Pflanzen untereinander kommunizieren und sich gegenseitig vor Schädlingen warnen, indem sie chemische Botenstoffe (Terpene) an die Luft abgeben. Waldluft ist quasi mit Terpenen geschwängert. Und die pushen das Immunsystem der Pflanzen, aber auch unser Immunsystem reagiert darauf. Nach einem Waldspaziergang lassen sich den japanischen Forschern zufolge 50 Prozent mehr Immun-Killerzellen in unserem Blut nachweisen - und zwar bis zu sieben Tage lang. Die weißen Blutkörperchen fangen Krankheitserreger ab und bekämpfen sie (übrigens auch Krebszellen - deshalb spielen Terpene inzwischen auch in der Krebstherapie eine Rolle). Die Studie habe ich hier verlinkt. Wer mehr dazu erfahren will, findet viele spannende Informationen im Buch 'Der Biophilia-Effekt' von Clemens Arvay.

 

Als ich ein Kind war, haben wir täglich stundenlang im Wald gespielt. Wir haben am Bach Kaulquappen beobachtet, sind auf Bäume geklettert, haben Laub in die Luft geschleudert. Heute kommen die meisten Kinder nur noch selten mit dem Wald in Berührung. Und das ist echt schade. Denn so entgehen ihnen nicht nur tolle Naturerfahrungen, sondern auch gesundheitliche Vorteile. Je mehr Kinder mit Schmutz und Erde in Kontakt kommen, desto seltener entwickeln sie später Allergien. Auf Bäume zu klettern und durch das Unterholz zu stapfen, kräftigt die Muskulatur - der Wald ist also wie ein natürliches Fitnessstudio für die Kleinen.  

Entspannen beim Waldbaden
Waldbaden tut der Seele gut. Foto: Nathan Anderson/Unsplash

Ein Waldspaziergang senkt den Blutdruck und hebt die Stimmung

Auch die Seele profitiert von einem Ausflug ins Grüne. Schon die Farbe der Pflanzen hat einen Relax-Effekt auf Körper und Geist. Britische Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass fünf Minuten im Wald ausreichen, um die Stimmung zu heben und das Selbstwertgefühl zu steigern, Warum ist das so? Sauerstoff, Ruhe und ätherische Öle in der Waldluft wirken beruhigend auf unser Nervensystem. Durch einen Spaziergang im Wald sinken Blutdruck und Herzfrequenz. Millionen Menschen nehmen täglich eine Herztablette, um eine ähnliche Wirkung zu erreichen.

 

Wirkt der Wald also wie eine Beruhigungspille auf uns und unseren Nachwuchs? Ja, da sind die Experten sicher. Das Schöne dabei: Der Biophilia-Effekt ist rezeptfrei und kostenlos erhältlich - im nächsten Waldgebiet.

Und jetzt raus mit euch, genießt die Natur!